HiPPO im Raum: Ein überdimensionales Flusspferd im Anzug dominiert das Meeting
ProjektmanagementHiPPO-EffektEntscheidungsfindung

Wenn Hierarchie Expertise schlägt: Der hohe Preis fehlenden Kontextes

Simon Schwer
Simon Schwer·

Stell dir vor, dein Lead Developer bittet um eine Lizenz für ein besseres KI-Tool. Kosten: 30 € im Monat. Der CEO schaut auf die Zahl, vergleicht sie mit der Basisversion für 10 € und entscheidet sofort: "Wir müssen Geld sparen. Die 10 €-Version reicht völlig aus."

In diesem Moment hat das Unternehmen gerade hunderte Euro verbrannt.

Warum? Weil der CEO nur die 20 € Ersparnis auf seiner Kostenstelle sieht. Was er nicht sieht: Die "teure" Version hätte dem Entwickler jeden Tag 30 Minuten Arbeit erspart. Bei einem Stundensatz von 100 € kostet diese falsche Sparsamkeit das Unternehmen jeden Tag 50 € an verlorener Produktivität.

Dieses Phänomen, bei dem Entscheidungen auf Basis von Hierarchie statt Expertise getroffen werden, nennt man oft den HiPPO-Effekt (Highest Paid Person's Opinion). Doch das eigentliche Problem ist oft keine Arroganz. Das Problem ist, dass jeder Beteiligte in seiner eigenen, begrenzten Realität lebt.

Die blinden Männer und der Projekt-Elefant

Die Projekt-Elefanten-Parabel: Jeder Stakeholder sieht nur seinen Teil Wie in der Parabel der blinden Männer: Der CEO sieht nur Kosten, der Developer nur Technik, der PO nur Features – niemand sieht das ganze Projekt.

Wie in der alten Parabel von den blinden Männern, die einen Elefanten untersuchen, sieht jeder Beteiligte nur einen winzigen Ausschnitt des Projekts. Und jeder optimiert gnadenlos für diesen Ausschnitt – oft auf Kosten des großen Ganzen.

Der Product Owner im "Feature-Tunnel"

Nehmen wir den Product Owner. Sein Kontext ist der Backlog. Er möchte, dass sein Team ausgelastet ist und Features liefert. Ob das Budget dafür eigentlich erschöpft ist, ist zweitrangig ("Solange die Ressourcen da sind"). Oft führt das dazu, dass Features gebaut werden, die zwar technisch machbar sind und das Team beschäftigen, aber nicht unbedingt auf das strategische Geschäftsziel einzahlen. Es wird "Output" statt "Outcome" produziert.

Der Manager und die Kostenfalle

Auf der anderen Seite sitzt der Manager oder CEO. Sein Kontext ist der Geschäftserfolg. Er sieht primär die Kostenstelle und will sparen. Das führt oft zu fatalen Entscheidungen, bei denen Features gestrichen werden, die eigentlich einen überlegenen langfristigen Nutzen hätten, nur weil sie initial Geld kosten.

Warum Meetings das Problem nicht lösen

Man könnte meinen, man müsse diese Leute nur in einen Raum sperren und reden lassen. Aber in Meetings prallen diese isolierten Kontexte nur aufeinander.

  • Der PO argumentiert mit "Nutzer-Mehrwert".
  • Der Manager argumentiert mit "Budget".
  • Der Lead Developer argumentiert mit "Technischen Schulden".

Es gibt keine gemeinsame Währung, keine "Single Source of Truth", die diese Perspektiven verbindet. Und wenn Argument gegen Argument steht, gewinnt am Ende der HiPPO.

Die fehlende Karte: Anatomie eines gemeinsamen Kontextes

Stell dir vor, du navigierst. Der Manager hat eine Karte mit Dollarzeichen. Der Entwickler eine Karte mit Serverarchitekturen. Aber niemand hat die Karte, auf der Start und Ziel verzeichnet sind.

Ein "Shared Context" ist keine abstrakte Informationswolke, sondern eine harte Verknüpfung von Datenpunkten. In Context Driven Project Management (CDPM) sieht eine Entscheidungskette so aus:

  1. Strategie: "Marktführerschaft bei Mobile-Performance erreichen"
  2. Ziel: "App-Ladezeit auf unter 200ms senken"
  3. Anforderung: "Neues Caching-Framework lizenzieren"
  4. Kosten: "30 € / Monat"

Wenn der CEO jetzt sagt "30 € ist zu viel", sieht er sofort ein rotes Warnlicht: Ziel 'Ladezeit' gefährdet. Er streicht nicht mehr isoliert einen Kostenpunkt, sondern entscheidet sich aktiv gegen das strategische Ziel. Dieser massive Perspektivwechsel ändert die psychologische Hemmschwelle für Sparmaßnahmen und zwingt zu einer Diskussion über Wert, nicht über Preis.

Wie TensorPM den Kontext demokratisiert

Hier kommt TensorPM ins Spiel und führt einen neuen Ansatz ein: Context Driven Project Management (CDPM).

Wir glauben, dass gute Entscheidungen nur auf Basis von radikaler Transparenz und einem gemeinsamen, vollständigen Kontext getroffen werden können. Dieser Kontext schafft Klarheit für alle Beteiligten und ist die Voraussetzung dafür, dass KI ihren maximalen Wert entfalten kann.

In TensorPM sind diese Welten nicht getrennt:

  1. Ziele treffen auf Features: Ein Feature kann nicht einfach existieren. Es muss mit einem strategischen Ziel verknüpft sein. Wenn der PO ein Feature plant, das keinem Ziel dient, wird dies sofort sichtbar.
  2. Kosten treffen auf Nutzen: Ressourcen und Budgets sind direkt mit den erwarteten Ergebnissen verknüpft. Man sieht nicht nur "Das kostet 20 € mehr", sondern "Das trägt zum Ziel 'Entwicklereffizienz' bei, das wir mit 5.000 € bewertet haben."

Warum Kontext der Treibstoff für KI ist

Jeder spricht über KI im Projektmanagement. Aber KI leidet oft unter demselben Problem wie ein externer Berater: Mangelndes Wissen über das "Warum". Füttert man eine KI nur mit Backlogs, optimiert sie Tickets. Füttert man sie nur mit Finanzdaten, streicht sie Kosten. Sie bleibt in den Silos gefangen.

In TensorPM dient der "Shared Context" als Basis (Grounding) für die KI. Weil das System "weiß", dass das 30-Euro-Tool mit dem Ziel "Effizienz" verknüpft ist, agiert die KI nicht als Taschenrechner, sondern als Wächter deiner Strategie. Das ermöglicht dem System Warnungen wie: "Achtung: Diese Budgetkürzung spart 360 € im Jahr, senkt aber die Wahrscheinlichkeit, den Q3-Meilenstein zu erreichen, um 15 %." So wird KI zum ultimativen, objektiven Vermittler.

Daten schlagen Rang

Wenn dieser Kontext für alle sichtbar ist, ändert sich die Diskussion. Man muss dem Chef nicht mehr widersprechen ("Ich glaube, das ist falsch"). Man zeigt auf das System:

"Chef, wir können die kleine Lizenz nehmen. Aber das System zeigt, dass wir damit das Ziel 'Release-Geschwindigkeit' gefährden, weil die Entwicklerkapazität sinken wird. Wollen wir das Ziel anpassen oder die Lizenz?"

Plötzlich ist es ein objektiver Trade-off, kein Machtkampf mehr.

Fazit: Raus aus den Silos

Solange die Beteiligten in ihren isolierten Kontexten gefangen sind – der PO im Backlog, der Chef in der Tabelle –, werden Projekte unter unrealistischen Erwartungen und falscher Sparsamkeit leiden.

Der Schlüssel zum Erfolg ist nicht, den Chef lauter anzuschreien, sondern die Mauern zwischen diesen Kontexten einzureißen. Mit TensorPM schaffen wir eine Realität, die jeder sehen kann. Und in dieser Realität gewinnt am Ende die beste Idee, nicht das höchste Gehalt.

Bereit, den HiPPO-Effekt zu besiegen? Lass nicht zu, dass isolierte Kennzahlen über den Erfolg deines Projekts bestimmen. Beginne noch heute, deinen gemeinsamen Kontext mit TensorPM aufzubauen.


Über den Autor

Simon Schwer ist Projektmanager mit jahrelanger Expertise aus zahlreichen internationalen Projekten. Er kennt die Herausforderungen unstrukturierter Projekte aus erster Hand und entwickelt TensorPM, um Struktur und KI zu kombinieren und Projektteams zum Erfolg zu führen.